Zukunftscampus

Strukturwandel - Verantwortung in der Region

Das Forschungszentrum unterstützt den Wandel in der Region

Das Rheinische Braunkohlerevier, in dessen Kern das Forschungszentrum Jülich liegt, steht vor großen Veränderungen. Anfang 2018 beschloss die Bundesregierung den Ausstieg aus der Braunkohleverstromung bis spätestens 2038. Mit dem gesetzlich festgelegten schrittweisen Ausstieg aus der Kohleverstromung leistet das Rheinische Revier

einen wesentlichen Beitrag auf dem Weg zu einer Klimaneutralität 2050. Der damit einhergehende Strukturwandel ist eine große gesellschaftliche Herausforderung und zugleich eine große Chance. Wenn der Strukturwandel nachhaltig erfolgreich sein soll, muss das Rheinische Revier mittelfristig reindustrialisiert werden. Zahlreiche Arbeitsplätze werden wegfallen und müssen durch eine Vielzahl neuer Arbeitsplätze mit einem breiten Spektrum von Qualifizierungsprofilen ersetzt werden. Menschen mit den verschiedensten Ausbildungsabschlüssen und Lebensentwürfen sollen auch zukünftig eine gute Perspektive im Rheinischen Revier haben.

Damit dies gelingt, müssen drei Voraussetzungen erfüllt sein:

  • Wir brauchen eine leistungsfähige und moderne Infrastruktur, digital und verkehrstechnisch. Diese Infrastruktur ist Grundlage und Ermöglicher für Vieles.
  • Die reichhaltige Industrielandschaft im Rheinischen Revier muss sich transformieren, neue Geschäftsfelder erschließen und wachsen.
  • Es muss gelingen, neue Unternehmen mit ganz neuen Wertschöpfungsketten hier anzusiedeln.

Zu allen drei Punkten kann die außergewöhnlich vielfältige und leistungsstarke Wissenschafts- und Forschungslandschaft im Rheinland einen elementaren Beitrag leisten.  So führte Professor Wolfgang Marquardt es bei der Anhörung „Rheinisches Revier“ des Ausschusses für Wirtschaft, Energie und Landesplanung des Landtags von Nordrhein-Westfalen am 13.02.2019 in seiner Stellungnahme aus.

Der damit einhergehende Strukturwandel ist eine große gesellschaftliche Herausforderung und zugleich eine große Chance. Wenn der Strukturwandel nachhaltig erfolgreich sein soll, muss das Rheinische Revier mittelfristig reindustrialisiert werden.

Prof. Wolfgang Marquardt, Vorstandsvorsitzender

Der notwendige Ausbau der Infrastruktur im Rheinischen Revier muss mit zukunftsorientierten Technologien erfolgen, um gleichermaßen die Bedarfe der Region zu decken und die einzigartige Gelegenheit zu nutzen, die Verbindung von Mobilitäts- und Energiewende in einer Modellregion zu demonstrieren. Neue Antriebstechnologien und autonomes Fahren ermöglichen ganz neue Mobilitätskonzepte, die hier in die Anwendung gebracht werden müssen. Dabei können das Forschungszentrum Jülich und seine Partner mit ihrer Expertise, beispielsweise in den wasserstoff-basierten Technologien, der Batterietechnik oder in der Datenanalyse und Künstlichen Intelligenz konkrete Beiträge leisten.

Auch bei der Transformation bestehender Industrien kann die Wissenschaft einen entscheidenden Beitrag leisten. Neue Technologien werden es ermöglichen, bestehende Produktionsstätten umzubauen, um eine neue, nachhaltige Nutzung unserer begrenzten Ressourcen zu ermöglichen. Beispiele können die Umstellung von fossilen auf biogene Rohstoffquellen oder der Einsatz neuer Power-to-X-Technologien sein. So wird die Standortsicherung unterstützt, neue Geschäftsmodelle werden realisierbar, Wachstumsmöglichkeiten und neue Arbeitsplätze werden geschaffen.

In dem bevorstehenden Strukturwandel kann die Forschung einen grundlegenden Beitrag leisten. Ein wissenschaftsbasierter Strukturwandel braucht Scharniere zwischen Wissenschaft und Wirtschaft. Das können Reallabore, Demonstratoren, Maker Spaces, Technologie-Cluster, Gründeroffensiven und viele andere Maßnahmen sein. Das Forschungszentrum Jülich als eines der großen interdisziplinären Forschungseinrichtungen Deutschlands und Europas mit seinen etwa 6000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern steht bereit, seinen Beitrag für einen gelingenden Strukturwandel zu leisten.

Vom Forschungszentrum Jülich wurden in der zweiten Jahreshälfte 2019 bereits drei Projekte im Sofortprogramm der Bundesregierung für den Strukturwandel erfolgreich auf den Weg gebracht: Mit dem BioökonomieREVIER soll das Rheinische Revier zu einer Modellregion für ressourceneffizientes und nachhaltiges Wirtschaften werden. Die Innovationsplattform „iNEW – Inkubator Nachhaltige Elektrochemische Wertschöpfungsketten“ soll dazu beitragen, eine Kreislaufwirtschaft auf Basis von

Kohlendioxid (CO2) zu etablieren und nachhaltige Grundlagen für Power-to-X-Technologien schaffen. Das Hightech-Projekt NEUROTEC entwickelt neue Materialien und elektronische Bauelemente für neuro-inspirierte Hardware, den sogenannten neuromorphen Computern der Zukunft.

 

Quelle: Die gesamte Stellungnahme von Professor Wolfgang Marquardt bei der Anhörung „Rheinisches Revier“ des Ausschusses für Wirtschaft, Energie und Landesplanung des Landtags von Nordrhein Westfalen am 13.02.2019., finden Sie unter: DIE VERANTWORTUNG DER WISSENSCHAFT FÜR EINEN GELINGENDEN STRUKTURWANDEL IM RHEINISCHEN REVIER https://blogs.fz-juelich.de/zweikommazwei/wp-content/uploads/sites/3/2019/04/19-02-06_Stellungnahme_Landtag.pdf