Living Lab Energy Campus

Energieeffizienz durch Partizipation

Bewusstseinsförderung und Mitgestaltung im Jülicher Reallabor Living Lab Energy Campus

Das Reallabor Living Lab Energy Campus (LLEC) am Forschungszentrum Jülich ist eine integrierte Forschungsplattform für die Energiewende. Seit 2018 fördern die Bundesregierung, die Helmholtz-Gemeinschaft und das Land Nordrhein-Westfalen zusammen mit insgesamt 27,5 Mio. Euro das Großprojekt. Die Grundidee ist, elektrische, thermische und chemische Energieströme über ein innovatives intelligentes IT-System optimal auszulegen und zu betreiben (Sektorkopplung). Dazu werden etablierte als auch prototypische Energiedemonstratoren unter anderem aus den Bereichen Photovoltaik, Batterietechnik, Wasserstoff und Abwärmenutzung in die Energieversorgung des Forschungscampus integriert. Eine Leitzentrale sammelt Informationen über alle Energieströme auf dem Gelände des Forschungszentrums und regelt die verschiedenen Energiesysteme auf Basis vorausschauender, lernfähiger Algorithmen. Das Ganze wird von einer komplexen IT-Infrastruktur gesteuert. Das Besondere daran ist der Test unter Realbedingungen auf dem Campus, also während des laufenden Betriebs. Zudem werden Technologie und intelligente Steuerung zusammen unter der Frage betrachtet, wie Mensch und Technik dabei im Alltag optimal interagieren können. Ziel ist die Schaffung eines intelligenten Energiesystems, welches den Themen Nachhaltigkeit, Wirtschaftlichkeit und Benutzerkomfort gleichermaßen Rechnung trägt.

Die erfolgreiche Umgestaltung des Energiesystems hängt also auch von der Mitwirkung der Nutzerinnen und Nutzer ab. Deshalb ist die Nutzereinbindung ein wichtiges Element des LLEC-Projekts, das von Beginn an in Form eines eigenen Projektteams „Engagement und Dissemination“ mitgedacht wurde. Im LLEC-Projekt sind mit „Nutzern“ die Mitarbeitenden als eine Anspruchsgruppe auf dem Campus in Jülich gemeint. Sie haben zwei wichtige Kompetenzen, mit denen sie das Projekt bereichern können: erstens sind sie natürlich Experten für ihren eigenen Arbeitsplatz mit seinen jeweiligen Anforderungen (z. B. Heizung, Kühlung, Labor- oder IT-Infrastruktur). Sie wissen also am besten, wie der Umbau des Energiesystems gestaltet werden muss, damit ihre Arbeit nicht gestört wird oder im besten Falle noch effizienter erledigt werden kann. Zweitens sind viele Mitarbeitende auch Experten für Energie- und Klimaforschung. Sie können daher das Projekt auch mit ihrem Fachwissen unterstützen. Gerade Forschungsorganisationen weisen die Besonderheit auf, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sich motiviert und engagiert einbringen möchten und je nach Fachdisziplin auch ihre Kenntnisse und Erfahrungen einbringen können und wollen.

Um die Potenziale der Nutzereinbindung möglichst gut zu nutzen, verfolgt das LLEC-Projekt den Ansatz der „Co-Creation“. Übertragen auf das Reallabor bedeutet es, dass möglichst alle von dem Umbau des Energiesystems betroffenen Personen daran mitwirken und ihre Erfahrungen und Perspektiven einbringen können und sollen. Die Lösungen, die auf diese Weise entwickelt werden, führen in der Regel zu einer positiven Bewertung und zu einer besseren Akzeptanz. Im Projekt wird ein intranetbasiertes Energy Dashboard entwickelt, welches den Nutzern ermöglichen soll, die Energie- und Wärmeverbräuche der mehr als 200 Gebäude auf dem Campus und den 20 Pilotgebäuden auf Raumebene in Echtzeit zu beobachten. Hierdurch können Potenziale für Energieeinsparungen aufgezeigt und mögliche Erfolge sichtbar gemacht werden. Das kann helfen, Alle zum energiebewussten Verhalten anzuregen. Diese Einsparungen tragen zudem zur Senkung der Treibhausgasemissionen und Betriebskosten des Gesamtsystems bei. Das ist auch für Viele ein Anreiz, um mitzuwirken und mit dem System zu lernen und selbst ressourcenbewusst zu handeln.

Mehr Informationen unter der LLEC Projekt-Website