Aktuelle Einblicke in die Forschung

Recycling in der Wissenschaft

Das Forschungszentrum Jülich betreibt oft Forschung mit Großgeräten, die Sonderanfertigungen oder Eigenentwicklungen sind. Dies geht einher mit großen Investitionen für die Infrastruktur. Ein Beispiel, wie Kosten und vor allem auch Materialien und Zeit eingespart werden können, ist der Wiedereinsatz vorhandener Messgeräte und Detektoren.

Am Institut für Kernphysik (IKP) wird für experimentelle und theoretische Grundlagenforschung auf den Gebieten Kern-, Hadronen- und Teilchenphysik das Cooler Synchrotron kurz COSY betrieben, ein Beschleuniger- und Speicherring. Das IKP untersucht damit zwei grundlegende Fragestellungen der Physik, nämlich die Materie-Antimaterie-Asymmetrie unseres Universums und das Grundverständnis der Bausteine, aus denen Materie besteht.

Im Speicherring COSY ist ein Teilchendetektor im Einsatz, der vorher im Speicherring CELSIUS im schwedischen Uppsala genutzt wurde. Als im Juni 2005 die Anlage in Schweden abgeschaltet wurde, bot sich für das IKP die Gelegenheit den dort genutzten WASA (Wide Angle Shower Apparatus) Teilchendetektor nach Jülich zu verlegen. Daraus entwickelte sich dann die WASA-at-COSY Kollaboration (mehr Infos gibt es hier). Das Wiederverwerten dieses Detektoraufbaus hatte den Vorteil, dass sowohl das Detektorportfolio an COSY erweitert als auch den Wissenschaftlern aus Uppsala die Möglichkeit gegeben werden konnte, ihre Forschungen fortzuführen. Durch die Übernahme des WASA Detektors konnten Kosten in Höhe von etwa 5 Mio. Euro für Entwicklung und Bau eingespart werden. Der WASA Detektor wurde von 2006 bis 2015 in COSY betrieben.

Aber der Detektor war damit noch nicht reif für die Verschrottung. Eine Experimentgruppe der GSI (Gesellschaft für Schwerionen) war auf der Suche nach einem Magneten mit Spurdetektor und Kalorimeter. Diese Voraussetzungen hat der WASA Zentraldetektor erfüllt. Nun wird er in seine Einzelkomponenten zerlegt und für neue Experimente an die GSI nach Darmstadt transportiert. Der Vorwärtsdetektor bleibt in Jülich. Dieser Teil des Detektors wird bereits jetzt als Polarimeter zur Messung der Spinausrichtung der Teilchen im polarisierten COSY-Strahl genutzt. Somit werden die verschiedenen Komponenten des WASA Detektors auch in Zukunft für Spitzenforschung in der Helmholtz-Gemeinschaft eingesetzt und gleichzeitig verantwortungsvoll mit öffentlichen Mitteln umgegangen.

Clever: Die Stoffbörse für Chemikalien

Im Forschungszentrum Jülich gibt es noch weitere Beispiele für einen nachhaltigen Umgang mit teuren Materialien.

So sind Chemikalien, die ein Institut nicht mehr braucht, in einem anderen Institut vielleicht gefragt − das ist das Prinzip der Stoffbörse. Diese ist Teil des Dangerous Materials Registry Information System (DaMaRIS), in dem alle eingelagerten Chemikalien eingetragen sein müssen. In der Stoffbörse ist es möglich, Chemikalien zu tauschen oder Teilmengen zu übernehmen. Von dieser Art des Recyclings profitiert in besonderem Maße die Chemieausbildung des Zentrums.

Die Chemikalien-Recyclingbörse hat ihren Ursprung im Ideenmanagement des Forschungszentrums. Das Team der Abfallwirtschaft sammelt viele noch verwendbare Laborchemikalien ein und lagert sie in der Reststoffsammelstelle. Dabei handelt es sich um ungeöffnete oder teilentleerte Gebinde mit organischen und anorganischen Substanzen sowie unterschiedliche Lösemittel.