Aktuelle Einblicke in die Forschung

1000-Gehirne-Studie

Das Institut für Neurowissenschaften und Medizin (INM) stellt sich aktuellen Fragen zum Aufbau und der Funktionsweise des menschlichen Gehirns. Vor dem Hintergrund des demographischen Wandels und damit einer zunehmend älteren Bevölkerung steht der ältere Mensch im Mittelpunkt einer sehr großen Forschungsstudie, der 1000-Gehirne-Studie. Untersucht werden die Faktoren, die die Alterung des Gehirns beeinflussen.

Dabei sind Umwelteinflüsse, der Lebensstil und die alltäglichen (auch beruflichen) Gewohnheiten, körperliche Gesundheitsparameter ebenso wie genetische Faktoren zu berücksichtigen. So kann es sein, dass eine Person noch mit über 90 Jahren körperlich und geistig sehr fit ist, während eine andere Person bereits mit 65-70 Jahren deutliche Einschränkungen erlebt. Diese normale Varianz im Alterungsprozess zu verstehen ist vor dem Hintergrund neurodegenerativer Erkrankungen von großer gesellschaftlicher Relevanz. Nur so lassen sich normale von krankhaften Veränderungen abgrenzen und bestmöglich nicht nur individuelle Therapien für die neurodegenerativen Krankheiten, sondern insbesondere auch mögliche präventive Maßnahmen für das jüngere und mittlere Lebensalter ableiten zu können.

Unsere Forschungsergebnisse zeigen eindrucksvoll, dass allgemeingültige Aussagen zu einer gesunden Lebensführung sich auch anatomisch und funktionell im Gehirn widerspiegeln.

Prof. Svenja Caspers, Institut für Neurowissenschaften und Medizin (INM-1)

Die 1000-Gehirne-Studie ist insofern besonders, da sie als eine der größeren internationalen Studien zur Alterung des Gehirns einen ganzheitlichen Ansatz wählt und den gesamten Menschen in seiner Umwelt möglichst umfassend untersucht. Von 2011 bis 2018 wurden über 1000 ältere Personen (die meisten zwischen 55 und 85 Jahren) in Jülich zu zwei Zeitpunkten umfassend untersucht. Dadurch, dass die Probanden der 1000-Gehirne-Studie zudem aus einer großen, bevölkerungsbezogenen Kohorte der Universität Duisburg-Essen, der Heinz Nixdorf Recall Studie stammen, die bereits seit 2001 über 4800 Personen des Ruhrgebiets bis heute mit einem besonderen Schwerpunkt auf das Herz-Kreislauf-System untersucht und nachverfolgt, können die in Jülich erhobenen Daten zur Gehirnalterung zusammen mit umfassenden, über 15 Jahre erstellten Charakterisierungen der Umwelt, des Alltags und des Gesundheitszustands der Probanden systematisch untersucht werden.

 

Eine solche große Gruppe älterer Probanden zu untersuchen stellt besondere Ansprüche an die Untersucher. Die Testungen sind zeitlich und körperlich anstrengend. Viele Probanden beschäftigt die Frage, wie fit sie noch sind und ob Vorboten einer Erkrankung erkennbar sind. Dies hat mit eine weitere wichtige Frage zur ethischen Relevanz der Studie motiviert, wie altern subjektiv erlebt und in der Gesellschaft gesehen wird. Erste Ergebnisse zu den Zusammenhängen zwischen Alterung des Gehirns und Lebensstil, dem Faktor Alter selbst sowie den kognitiven Leistungsfähigkeiten liegen vor. Durch dieses Verständnis vom menschlichen Alterungsprozess begleiten die Ergebnisse die großen gesellschaftlichen Herausforderungen.